Einsteigertipps zur Beobachtungspraxis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Teleskop-Kauf zur Astropraxis

 

Welches Teleskop?

Am liebsten hätte ich diese Frage unterschlagen, da sie auf sehr vielen privaten Astroseiten erläutert und in Foren diskutiert wird. Der Vollständigkeit halber nehme ich sie aber dazu und lasse hier meinen persönlichen Gedanken und Beweggründen für meine eigene Kaufentscheidung ihren Lauf. Denn Meinungen hierzu gibt es fast soviele, wie sichtbare Sterne am Himmel.

 

1. Grundsatz

Das "beste Teleskop" ist das am häufigsten eingesetzte Teleskop. Wichtig ist, das Gerät den eigenen Umständen anzupassen. Es bringt nicht viel, das teuerste, größte, schönste Teleskop zu kaufen, wenn es im Wohnzimmer herumsteht statt eingesetzt zu werden. Hier einige Fragen/Fakten, die eine Rolle spielen könnten. Und damit keine Verwirrung aufkommt, hier noch ein kleiner Hinweis:

Reflektor = Spiegel-Teleskop

Refraktor = Linsen-Teleskop

 

2. Folgende Punkte gingen mir selbst vor dem Kauf durch den Kopf:

a. Muss das Teleskop eine weite Strecke bis zum Beobachtungsplatz geschleppt werden (möglicherweise aus dem 5. Stock), oder auch mit Auto transportiert werden (Aufwand)?

b. Wohnt man in einer hell erleuchteten Stadt, beobachtet evt. sogar vom Balkon aus und konzentriert sich daher mehr auf die hellen Objekte (Planeten, Mond), ist u.U. ein Refraktor die bessere Wahl (konstrastreichere, schärfere Abbildung)

c. Ein Spiegelteleskop ist bei gleicher Öffnung günstiger als ein Linsenfernrohr, dafür aber weniger kontrastreich und scharf in der Abbildung, da das Spiegelteleskop in der Objektivöffnung einen Fangspiegel besitzt, der einen Teil des Hauptsiegels abschattet. Dies verringert Kontrast und Schärfe. Vorteil wiederum ist, für das gleiche Geld gibt es mehr Objektiv-Öffnung.

d. Ein Spiegeltelekop braucht eine gewisse Zeit um sich den Außentemperaturen anzupassen (in meinem Fall mindestens eine Stunde), ein Refraktor hingegen ist sofort einsatzbereit und durch den geschlossenen Tubus unempfindlich gegen Luftunruhe und Temperaturschwankungen.

e. Ein Refraktor hat einen Farbfehler, der duch Korrekurlinsen minimiert wird (Achromat ist die gängige Wahl), aber trotzdem als störend empfunden werden kann. Der Reflektor hat diesen nicht.

f. Viele Einsteiger habe einen Traum: Das Gesehene auf Filmmaterial bannen. Hierzu sei gesagt, dass eine parallaktische, gute Montierung mit einer Nachführung und Motoren nötig ist um die Erddrehung auszugleichen, damit das Objekt nicht aus dem Gesichtsfeld läuft. Insgesamt ist das ein teurer Spaß! Wer damit leben kann die Fotofrage erstmal zu verschieben, wird vielleicht mit einem Dobson-Teleskop, welches ich weiter unten erwähne, glücklich.

Reflektor (Vixen)

Refraktor (Vixen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Welche Montierung?

Der für mich wichtigste Punkt: Die Montierung, die Verbindung zwischen Stativ und Tubus, muss so dimensioniert sein, dass sie den Tubus stabil trägt und noch etwas Luft nach oben hat, für evtl. dazu kommende Fotoausrüstung und weitere Gewichte zum Ausgleich der selbigen...

Parallaktisch:

Die parallaktische Montierung wird exakt auf den Himmelsnordpol ausgerichtet (eingenordet). Da die Sterne nicht auf eine geraden Linie über den Himmel ziehen, sondern einen Bogen beschreiben, muss diese (scheinbare) Bewegung der Sterne ausgeglichen werden, damit das Objekt im Gesichtsfeld bleibt. Dies geschieht über die Nachführung beider Teleskop-Achsen, welche auch motorisch betrieben werden können. Auch Go-To Computer können hier angeschlossen werden. Gute parallaktische Montierungen sind teuer, oft kosten sie den mehrfachen Tubuspreis, sind aber unerläßlich für die Astrofotografie.Wer eine große Öffnung anstrebt, wird sich die Frage stellen, wieviel Geld für die Montierung übrig bleibt. Das ist allerdings der falsche Ansatz, die Frage sollte lauten: Wieviel Geld bleibt für den Tubus übrig, wenn eine gute Montierung angeschafft wird, denn diese ist der Grundpfeiler der Ausrüstung.

 

Aziumutal:

Bei der azimutalen Montierung führt eine der beiden Achsen einen horizontalen oder vertikalen Schwenk aus. Da die Sterne sich aber auf einer scheinbar bogenförmigen Bahn am Himmel bewegen, muss hier immer wieder nachgestellt werden, damit das Objekt weiter im Gesichtsfeld und damit beobachtbar bleibt. Diese Variante ist nicht für die Astrofotografie geeignet. Das Dobson-Teleskop ist ein Beispiel für eine azimutale Montierung. Zur Vereinfachung: Man bewegt es quasi hoch-runter, rechts-links! :-)

 

Dobson-Montierung (Newton-Spiegel)

Das azimutal montierte Dobson Teleskop, oder auch die Dobson-Montierung ist nur für den visuellen Einsatz geeignet, nicht für die Fotografie. Es ist mit Recht weit verbreitet und beliebt, besonders auch bei Einsteigern. Es gibt keine andere Teleskop-Variante, die eine verhältnismäßig große Objektiv-Öffnung für so wenig Geld bietet (wer eine kennt, bitte bei mir melden ;-) )

 

Parallaktische Montierung

 

Azimutale Montierung

Dobson-Montierung

Die Plejaden

4. Der Preis und die Alternative (Feldstecher)

Ich selbst habe mit einem 50 € Kaufhaus-Teleskop angefangen, kann aber Neueinsteigern nur davon abraten, der Frust übertrifft den Spaß bei weitem...

Gute und günstige Einsteiger-Teleskope incl. kompetenter und netter Beratung findet man u.a. bei Teleskop-Service. Eine andere tolle Möglichkeit den Himmel kennen zu lernen, ist ein Feldstecher. Hiermit sind auch schon einige schöne Objekte zu beobachten. Besonders die Plejaden sowie h & chi Persei, beides offene Sternhaufen, sehen umwerfend gut darin aus :-). Auch ausgedehnte "Spaziergänge" am Himmel machen mit einem Feldstecher viel Spaß. Gleichzeitig lernt man den Himmel gut kennen und ist bestens vorbereitet, wenn das Geld für das erste Teleskop zusammen gespart ist. Und auch dann ist der Feldstecher immer wieder ein guter Begleiter und auch bei mir oft im Einsatz.

h & chi Persei

 
 
 

5. Erste Beobachtung - Ich finde keine Objekt

 

Ausrichtung des Sucherfernrohres auf den Hauptspiegel/Linse des Teleskopes

 

Sucherfernrohr

Vor der ersten Beobachtung muss das Sucherfernrohr auf den Hauptspiegel ausgerichtet werden. Am einfachsten und unkompliziertesten geht das am Tage, indem ein möglichst weit entferntes, starres Objekt (Strommast oder sonstiges) mit dem Teleskop durch das kleinst vergrößernde Okular (größte Brennweiten-Zahl) mittig angepeilt wird.

Das Sucherfernrohr wird nun so eingestellt, dass auch hier dieses Objekt mittig sichtbar ist (ist ein Fadenkreuz vorhanden ist das hilfreich, geht aber auch erstmal ohne). Hat man dies vollbracht, wird der gleiche Vorgang mit den nächst größeren Okularen wiederholt (immer mehr Vergrößerung nehmen), bis die größte Vergrößerung erreicht ist (kleinste Brennweiten-Zahl).

Bei der ersten Beobachtung bei Nacht sollten Sucher und Hauptspiegel nun soweit übereinstimmen, dass ein durch den Sucher angepeilter heller Stern auch im Okular zu sehen ist (kleine Vergrößerung nehmen). Hier kann man sich nun auf die gleiche Weise wie am Tage wieder an die exakte Ausrichtung herantasten, bis der Stern in Sucher und Okular möglichst übereinstimmend mittig zu sehen ist.

Et voilà! Nun sind auch Objekte, die eine höhere Vergrößerung erfordern mit etwas Übung gut zu finden (ggf. durch Starhopping)

 

 

 

 

 

Telrad-Finder

Das klassische Sucherfernrohr wird jedoch immer mehr durch andere Sucher/Findertypen ersetzt. Bei vielen Amateurastronomen kommt der Telrad-Finder, welcher die Suche mit beleuchteten Zielkreisen sehr erleichtert, zum Einsatz.

Nachteil des Telrades ist der Taubeschlag der Glasscheibe, durch welche man hindurch schaut, d.h. in feuchten Nächten immer wieder wischen, wischen, wischen, oder eine Tauschutzkappe bauen. Eine andere Alternative ist der Starpointer, ein ähnliches System, das einen Leuchtpunkt projeziert.

Beide haben den Vorteil, dass hier der Himmelsausschnitt nicht Vergrößert wird, sondern der Ort des Geschehens per Zielkreis oder Leuchtpunkt angepeilt wird (Projektion auf eine Glasscheibe).

Starpointer

  6. Aufsuch-Karten

Unabdingbares Handwerkszeug ist eine gute Aufsuch-Karte. Besonders beliebt ist der "Atlas für Himmelsbeobachter" von Erich Karkoschka. Der ambitionierte Bastler und Telrad-Benutzer findet hier eine Anleitung für eine Telrad-Schablone für den "Karkoschka".

Des weiteren ist eine drehbare Sternkarte sehr sinnvoll. Einmal um die Sternbilder überhaupt kennen zu lernen, sich diese einzuprägen und sie dann am Nachthimmel wieder zu finden.

Eine Weitere Möglichkeit sich mit dem Sternhimmel vertraut zu machen, ist (besonders in unerträglich kalten Winternächten) die Astrosoftware. Als schönes Beispiel wäre hier "Stellarium" zu nennen.

 

Ganz viele weitere Antworten auf Einsteiger-Fragen findet ihr bei den "Deepsky-Brothers" Armin und Torsten. Die beiden haben eine sehr umfangreiche Seite mit Tipps, Tricks und Info´s aufgebaut.

Auch die Astronomie-Seite von Dr. Wolfgang Strickling beinhaltet viele Informationen, besonders seine Teleskop-Einführung ist fast unverzichtbar für jeden Einsteiger.

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